Forschung
In meiner Forschungsarbeit beschäftige ich mich mit Infrastrukturen, Alltag, symbolischer Bedeutung von Technik, der wechselseitigen Beziehung ziwschen Mensch, Technik und Natur und Kulturen des Reparierens im Globalen Süden.
Geschichte der Monokulturlandwirtschaft in Malawi im langen 20. Jahrhundert

KI-generierte Abbildung
Beneath the Leaves: Rethinking Monoculture Legacies in Malawi in the Long Twentieth-Century
Beneath the Leaves ist mein zweites Buchprojekt, an dem ich derzeit an der Ruhr-Universität Bochum im Rahmen des ERC-Projekts „The Making of Monoculture: A Global History“ arbeite.
Das Projekt hinterfragt die Koexistenz der drei wirtschaftlich bedeutendsten Monokulturen in Malawi im Laufe des langen 20. Jahrhunderts und analysiert wie der Anbau von drei Monokulturen – Tee, Tabak und Zuckerrohr – trotz anhaltender komplexer Herausforderungen vom späten 19. Jahrhundert bis heute fortbestehen konnte.
Die Studie untersucht, welche Akteure zu unterschiedlichen Zeiten mit welchen Mitteln Monokulturen etablierten, aufrechterhielten und erweiterten konnten. Solche Akteure sahen sich stets mit erheblichen Umweltkatastrophen sowie sozialen, politischen und wirtschaftlichen Spannungen konfrontiert. Teepflanzungen waren wiederholt von Pilz- und Viruserkrankungen betroffen, Feuer bedrohten große Gebiete, und ausbeuterische Arbeitsregime litten unter Arbeitskräftemangel und eingeschränktem Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen. Trotz dieser Herausforderungen und globaler Kritik wird der systematische Anbau dieser drei Nutzpflanzen bis heute fortgesetzt, und unser Welternährungssystem basiert weiterhin auf dieser Form der Landwirtschaft. Das Projekt analysiert unter anderem die wiederkehrenden Spannungen auf den Plantagen und wie sie gelöst wurden. Was trieb die Akteure hinter diesen spezifischen Monokulturen während des langen 20. Jahrhundert an? Waren ihre Bemühungen rein wirtschaftlich motiviert oder gab es auch andere Beweggründe für das unermüdliche Streben nach besseren Anbaumethoden und höheren Erträgen? Ziel ist es, die Hintergründe dieser Monokulturen zu erforschen, den Einfluss einzelner Akteure sowie die Rolle der Kleinbauern innerhalb eines Netzwerks aus großflächigen Plantagen und kleinen Farmen zu beleuchten.
Fahrradgeschichte in Südost-Malawi im langen 20. Jahrhundert

Dieses Projekt behandelt die sozio-kulturelle Geschichte von Fahrrädern und des Radfahrens im südöstlichen Malawi im langen 20. Jahrhundert. Es verfolgt die Geschichte des Fahrrads in der urbanen und semi-urbanen Stadt Zomba im südöstlichen Malawi vom späten 19. Jahrhundert bis heute.
Im langen 20. Jahrhundert wandelte sich die Wahrnehmung des Fahrrads in und um Zomba. Von der Nutzung durch koloniale Beamte und Eliten entwickelte sich das Radfahren hin zu zurückkehrenden Wanderarbeitern, Soldaten und anderen Teilen der malawischen Gesellschaft, die das Fahrrad für den Arbeitsweg oder den Transport von Gütern nutzten. Diese Forschung beleuchtet, wie solche verschiedenen Akteure—von britischen Kolonialbeamten bis zu lokalen Fahrradmechanikern—die Geschichte der Fahrradstadt Zomba prägten und das Fahrrad zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Stadtbildes machten.
Das Projekt verfolgt unterschiedliche Perspektiven, von kulturhistorischen Erzählungen, die das Fahrrad aus einseitigen Narrativen des Techniktransfers dezentrieren, bis hin zu umweltgeschichtlichen Bereichen, in denen das Fahrrad eine Rolle beim Fischfang und der Entwaldung spielte. Es untersucht das Alltagsleben der Menschen in verschiedenen Zeitperioden, von der frühen Kolonialzeit über den Zweiten Weltkrieg bis zur Zeit nach der Unabhängigkeit 1964 als das Fahrrad zum alltäglichen Transportmittel wurde. Diese Betrachtung rückt technische Kontinuitäten und Koexistenzen in den Fokus, vor allem vor dem Hintergrund eines sich stetig verändernden Transportumfeldes in Malawi.
© David Drengk/Künstler Stepanov Oleg (Kiev, Ukraine).
Alltagsgeschichte eines Westafrikanischen Regenwalds, 1890-1930

© David Drengk/Künstler Stepanov Oleg (Kiev, Ukraine).
Dieses Forschungsprojekt war mein Dissertationsvorhaben im Rahmen des ERC-Projekts „A Global History of Technology (GLOBAL-HOT)“, das das Alltagsleben im immergrünen Regenwald der südlichen Côte d’Ivoire zu Beginn des 20. Jahrhunderts untersucht und die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Natur und Materialität analysiert. Im Zentrum steht die These, dass sich der Wald historisch zu einer „technischen Landschaft“ entwickelte, in der die Bevölkerungsgruppen der Abbey und Akyé den Wald nutzten, um Technologien und Praktiken zu entwickeln, die ihr materielles Überleben, ihren Widerstand sowie ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen sicherten.
Die Arbeit grenzt sich von klassischen kolonialen, wirtschafts- oder militärhistorischen Perspektiven ab, die den Wald vor allem als Raum kolonialer Ausbeutung, der Plantagenwirtschaft oder der Infrastrukturentwicklung betrachten. Stattdessen rückt sie alltägliche Technologien, technische Kontinuitäten und die aktive Rolle afrikanischer Akteur*innen in den Mittelpunkt. Technik wird dabei nicht als Motor des historischen Wandels verstanden, sondern als Teil alltäglicher Praktiken, die Innovation, Anpassung, Aneignung, Wartung, Reparatur oder auch die bewusste Ablehnung eingeführter Technologien umfassen.
Das Projekt verbindet Ansätze der Technik-, Umwelt- und Alltagsgeschichte. Anhand von Themen wie Nahrungsversorgung, Jagd, Guerillakrieg, Palmweinproduktion, Kolanusshandel und Eisenbahnreparatur zeigt es, wie eng technisches Wissen mit sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebenswelten verknüpft war. Die Abbey und Akyé erscheinen dabei als kreative und wissensbasierte Akteur*innen, die Technik aktiv gestalteten.
Methodisch basiert die Studie auf umfangreichen Archivquellen aus Europa und Westafrika sowie auf der Analyse materieller Objekte im Nationalmuseum in Abidjan. Gegenstände wie Goldpfannen, Transportkörbe oder Musketen werden als zentrale Bestandteile der technischen Waldlandschaft untersucht.
Insgesamt trägt die Arbeit zu einer African History of Technology (AHoT) bei und zeigt, dass afrikanische Gesellschaften über eigenständige technische Wissensbestände und Innovationspraktiken verfügten. Sie plädiert für eine globale Technikgeschichte, die lokale Praktiken, materielle Kulturen und bislang marginalisierte Akteur*innen des Globalen Südens prominenter berücksichtigt.
Forschungsprofil in globaler Technik- und Umweltgeschichte

Bikesmith bei der Arbeit in Malemba Village Community, Malawi,
© David Drengk.
Die empirische Forschung bildet den Kern meiner wissenschaftlichen Arbeit. Dabei verbinde ich ethnografische Feldforschung, historische Archivarbeit und die Analyse musealer Quellen in Europa, Westafrika und dem südlichen Afrika. Dieser interdisziplinäre Methodenpluralismus ermöglicht es, globale Technik- und Umweltgeschichte sowie Nachhaltigkeitsgeschichte aus der Perspektive lokaler Wissensbestände, Technologien und materieller Praktiken im Globalen Süden zu untersuchen.
Mein Forschungsziel ist eine global ausgerichtete Geschichtswissenschaft, die bislang marginalisierte Akteur*innen und Gesellschaften stärker berücksichtigt. Besonders die Kombination verschiedener Quellen, einschließlich anthropologischer und ethnologischer Ansätze sowie Oral-History-Methoden, eröffnet neue Perspektiven jenseits kolonial geprägter Archive.
Dadurch werden Regionen wie der afrikanische Kontinent neu in Umwelt-, Technik- und Nachhaltigkeitsgeschichten eingeordnet. Inhaltliche Schwerpunkte meiner Forschung und Lehre sind unter anderem nachhaltige Mobilität und Infrastrukturen, urbane Räume, Klimaschutz, koloniale Land- und Forstwirtschaft sowie Ressourcenmanagement.
Infrastrukturgeschichte
Die Geschichte kolonialer Infrastrukturen umfasst weit mehr als nur eingeführte koloniale Infrastrukturen wie Eisenbahn- oder Telegrafennetzwerke. Ich befasse mich auch mit der Geschichte lokaler Transportinfrastrukturen und Kommunikationsnetzwerke, die unabhängig von kolonialer Intervention fortbestanden haben. Waldpfade, Talking Drums und Transportbehältnisse im Kolanusshandel sind ebenso Gegenstand meiner Infrastrukturgeschichte wie koloniale Eisenbahnen und Straßen.

Fahrradgeschichte
Postkarte, Jean Rose Import-Export, Abidjan, ca. 1910–1930,
G. Kanté (Fotograf). Private Sammlung.
Seit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sind Fahrräder ein integraler Bestandteil afrikanischer und kolonialer Gesellschaften geworden. Heutzutage sind sie aus den unterschiedlichsten Stadtbildern sowie aus ländlichen Straßen- und Wegenetzen nicht mehr wegzudenken. Die Fahrradgeschichte des südlichen Afrikas untersucht die soziokulturelle Bedeutung des Fahrrads und analysiert die sozialen und wirtschaftlichen Dynamiken, die mit dem Fahrradfahren im langen 20. Jahrhundert einhergingen.

Holzhändler am Zomba-Plateau, © David Drengk.
Geschichte der Reparatur und
Instandhaltung
In der Technikgeschichte hat die Behandlung von Themen zu Reparatur und Instandhaltung inzwischen einen bedeutenden Stellenwert erreicht. Technische Geräte und Maschinen unterliegen in ihrem Lebenszyklus zwangsläufig Abnutzung und Verschleiß. Insbesondere Infrastruktursysteme benötigen daher regelmäßige Wartung und Reparatur. In diesem Forschungszweig beleuchte ich die Dynamiken hinter diesen wiederkehrenden Bemühungen und beschäftige mich mit den Akteuren, die im Hintergrund Reparaturen durchführen.

Postkarte, Werkstatt der Abidjan-Niger Eisenbahn in Abidjan, ca. 1905–1925. Arkhuist (Fotograf). Private Sammlung.
Kolonialgeschichte
Die formale, oft gewaltsame Kolonisierung großer Teile des Kontinents stellt ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte Afrikas und seiner vielfältigen Gesellschaften dar. Als Historiker des 19. und 20. Jahrhunderts spielt die Kolonialgeschichte daher eine zentrale Rolle in meiner Forschung. Dabei stehen die wechselseitigen Beziehungen und Spannungsfelder zwischen Kolonialmächten, Kolonisierten, Technik und natürlicher Umwelt stets im Fokus.

Europäischer Tabakpflanzer im Süden des Britischen Protektorats Nyasaland, © Society of Malawi.
Alltagsgeschichte
Die Erforschung des Alltagslebens in kolonialen und postkolonialen Kontexten ist eines der Hauptinteressen meiner Forschungsarbeit. Durch die Berücksichtigung von Alltagserfahrungen und Erinnerungen afrikanischer Akteure, die in kolonialen Archiven oft vernachlässigt werden, lässt sich ein deutlich differenzierteres Bild der (kolonialen) Alltagsgeschichte zeichnen als bei einem Fokus auf europäische Kolonialakteure.

Postkarte, Société des Missions Africaines (Lyon), Vicariat Apostolique de la Côte d’Ivoire, Fotograf unbekannt. Private Sammlung.
Wald- und Landwirtschaftsgeschichte
Spätestens mit der Etablierung kolonialer Plantagen standen Wälder und Landwirtschaft in einem stetigen Spannungsverhältnis zueinander. Die landwirtschaftliche Intensivierung führte häufig zur Abholzung großer Waldflächen. In diesem Forschungszweig beschäftige ich mich mit dem wechselseitigen Verhältnis zwischen Wäldern und Landwirtschaft und untersuche Subistenzlandwirtschaft im Vergleich zu großangelegten Monokulturlandschaften. Darüber hinaus interessiere ich mich für die Geschichte west- und zentralafrikanischer Regenwälder.

Postkarte, Société des Missions Africaines, Lyon, ca. 1900–1920.
Fotograf unbekannt. Private Sammlung.
Methodische Schlüsselbereiche der Forschung
Mein methodisch pluralistischer Forschungsansatz verbindet klassische Archivrecherche mit der Arbeit in Bibliotheks- und Museumssammlungen sowie mit ethnologischer Feldforschung. Insbesondere die Einbindung von Oral-History-Methoden ermöglicht es mir, historische Perspektiven um lebensgeschichtliche Erfahrungen zu erweitern und unterschiedliche Wissensformen miteinander in einen Dialog zu bringen.
Archivrecherche
Umfassende Studien zur politischen und sozialen Entwicklung Afrikas von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart.

Bibliotheks-sammlungen
Analyse technischer Innovationen und deren weltweite Auswirkungen im historischen Kontext.

© David Drengk.
© David Drengk.
Museums-sammlungen
Forschung zur Wechselwirkung von Mensch und Umwelt mit Fokus auf historische Veränderungen und nachhaltige Perspektiven.

© David Drengk.
Oral History Forschung
Verbindung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zur umfassenden Erforschung komplexer Themen.

© David Drengk.